Informationen der ev. Kirchengemeinde Rüdigershagen
Andacht: Weihnachten in Gefahr
Am Anfang meines Pfarrdienstes stand die Suche nach einem Auto. Ich begann meine erste Stelle in Dingelstedt/ Huy. Nun brauchte ich ein Fahrzeug. Sehr eindrücklich war mir der Besuch in einem Autohaus. Der Verkäufer machte seine Sache gut. „Sie, als Pfarrer, brauchen ein vernünftiges Auto. Sie müssen doch mal schnell überholen können.“ Ich persönlich werde immer misstrauisch, wenn andere genau wissen, was ich brauche. Am Ende waren die vorgeschlagenen Autos mir viel zu teuer. „JA“, antwortete der Händler, „dass macht nichts. Wir haben tolle Finanzierungsangebote. Gönnen sie sich mal etwas. Sie leben doch nur einmal…“. Übersetzt hieß das für mich: „Mach Schulden und glaub nicht an die Auferstehung.“ Hier kennen wir zwei Kennzeichen unserer Zeit. Als erstes fehlt vielen der Glaube. Es ist die Zuversicht, dass Gott über den Horizont des Todes wirken kann. Weil keiner sichtbar machen kann, was nach dem Tod geschieht, haben es sich viele im Diesseits bequem gemacht. Und wenn man ein Leben nach dem Tod ausblendet, gibt es auch keine Verantwortung mehr vor Gott. Seine Gebote sind nicht mehr bedeutsam und längst vergessen. „Nennen sie eines der 10 Gebote!“, wurde jemand gefragt. Die Antwort lautete: „Die Würde des Menschen ist unantastbar.“ Das ist Wichtiges aus dem Grundgesetz, aber nicht eines des 10 Gebote. Mit dem Ignorieren von Gottes Geboten nimmt das Schuldbewußtsein ab. Immer rücksichtsloser wird sich bedient. Jeder baut sich sein eigenes Paradies. Auf gemeinsame Werte kann sich die Gesellschaft kaum noch gründen, wenn selbst das Geschlecht verwandelbar ist. Mit der zunehmenden Orientierungslosigkeit wird die Zahl der Ratgeber immer größer, aber die Zustände beschreibt die Bibel so: „Wir gingen alle in die Irre wie Schafe, ein jeder sah auf seinen Weg“ Das stammt von Jesaja, dem alten Propheten der Bibel. Gerade in der Weihnachtszeit werden wir ihn wieder hören. Denn in diese Welt mit ihrem Egoismus, Lieblosigkeit und Rechthaberei kommt einer, der nicht von dieser Welt ist. In dem Kind in der Krippe, das wir in der Adventszeit erwarten, kommt der Schöpfer selbst. Die Freude auf ihn ist wie vergleichbar mit der Freude, dass endlich der Handwerker kommt und alles repariert. Denn das Hauptproblem ist unsere Schuld. Mit dem Mißachten der Gebote Gottes werden wir schuldig. An uns, am Nächsten und an der Welt richtet unser Leben Schaden an, selbst wenn wir es nicht wollen. Mit unserem „Gutmeinen“ ohne Gott schaffen wir die Welt, wie sie ist – Kein Paradies. Viele reden sich die Schuld dann noch klein: „Machen doch alle so.“ Unser giftiger Schaden, katholisch Erbsünde, macht uns zu Sklaven der Sünde. Nur einer kann uns daraus befreien. Gott selbst. So heißt es in einem alten Gesangbuchlied: „Jesus ist kommen, die Quelle der Gnaden: komme, wen dürstet, und trinke, wer will! Holet für euren so giftigen Schaden Gnade aus dieser unendlichen Füll!“
Möge hinter der ganzen Weihnachtsfolklore diese Botschaft uns frohmachen.
Eine gesegnete Weihnachtszeit wünscht Ihnen Ihr Pfr. Martin Quellmalz.

