Neues Leben für die Kirche auf dem Kerbschen Berg
Noch ist die Baustelle nicht zu übersehen: Leitern stehen im Kirchraum, Kabel hängen von der Decke, und am Boden wird gearbeitet. Feiner Staub liegt in der Luft. Wer jedoch die ehemalige Franziskanerkirche auf dem Kerbschen Berg bei Dingelstädt betritt, spürt sofort, dass hier ein Wandel im Gange ist.

Besonders deutlich wird das für Menschen, die den Raum von früher kennen. Die einst eher dunkle und kühl wirkende Kirche hat sich bereits sichtbar verändert. Helligkeit prägt nun den Raum, neue Öffnungen lassen Licht hinein und schaffen eine offene, freundliche Atmosphäre. Der Innenraum wirkt größer, weiter und beinahe wie neu.
Nach und nach entsteht hier eine Familienkirche – ein Ort, der nicht nur für Gottesdienste gedacht ist, sondern Menschen jeden Alters zum Verweilen, Entdecken und Begegnen einlädt. Die Umgestaltung ist Teil eines größeren Prozesses, in dem kirchliche Räume neu gedacht werden. Angesichts zahlreicher bestehender Kirchen geht es darum, Wege zu finden, sie auch in Zukunft sinnvoll zu nutzen. Die Lage der Kirche auf dem Kerbschen Berg bietet dafür gute Voraussetzungen, denn direkt nebenan befindet sich ein lebendiges Familienzentrum. Beide Orte sollen künftig stärker miteinander verbunden werden.
Von Anfang an wurden Kinder, Jugendliche und Familien in die Planungen einbezogen. In Workshops konnten sie ihre Vorstellungen einbringen und formulieren, was sie sich von einem Kirchenraum wünschen. Dabei zeigte sich ein breites Spektrum an Ideen: Ein Ort der Ruhe wurde ebenso genannt wie ein Raum, der zum Entdecken anregt. Viele wünschten sich Möglichkeiten, persönliche Gedanken, Bitten oder Wünsche zu hinterlassen. Auch das Element Wasser tauchte in den Vorschlägen immer wieder auf, ebenso wie der Wunsch, traditionelle Aspekte mit modernen Gestaltungselementen zu verbinden.
Auf dieser Grundlage entwickelte das Künstlerpaar Lutzenberger ein neues Konzept für den Kirchenraum. Zunächst wurde das Gebäude weitgehend ausgeräumt, um Platz für eine grundlegende Neugestaltung zu schaffen. Künftig sollen verschiedene Stationen dazu einladen, den Raum aktiv zu erleben. Eine Marienkapelle bleibt erhalten, wird jedoch neu gestaltet und in tiefen Blautönen gehalten, sodass ein ruhiger Bereich für Gebet und Kerzen entsteht. Im Eingangsbereich wird ein besonderer Taufstein seinen Platz finden: ein bearbeiteter Findling aus den Alpen, in dessen Vertiefung sich Wasser sammeln kann – als Zeichen für Leben und Taufe.

Auch die Natur spielt in der Gestaltung eine wichtige Rolle. Damit wird bewusst an die franziskanische Tradition angeknüpft, die die enge Verbindung zwischen Mensch, Glaube und Schöpfung betont. Diese Verbindung soll im Raum spürbar werden.
Neben der inhaltlichen Neuausrichtung verändert sich auch die bauliche Wirkung der Kirche deutlich. Helle Farben sorgen für eine freundliche Atmosphäre, während Holzverkleidungen Wärme in den Raum bringen. Gleichzeitig verbessern sie die Akustik, die bislang eine Herausforderung darstellte. In der Vergangenheit dauerte es mehrere Sekunden, bis Schall den Raum durchquert hatte, was das Verstehen erschwerte. Durch neue Elemente an Decke und Wänden soll künftig sichergestellt werden, dass Worte und Musik klar und verständlich ankommen.
Eine weitere wichtige Veränderung betrifft den hinteren Bereich der Kirche. Dort wurden neue Türen eingebaut, die einen direkten Zugang zum ehemaligen Klostergarten ermöglichen. Geplant ist eine Terrasse, die den Innenraum nach außen erweitert und zusätzliche Aufenthaltsmöglichkeiten schafft. Besonders in den wärmeren Monaten wird sich so ein offener Übergang ins Grüne ergeben.
Der Raum soll künftig flexibel genutzt werden können. Mobile Elemente ermöglichen unterschiedliche Anordnungen, sodass sowohl kleine Andachten als auch größere Veranstaltungen oder Gruppenangebote Platz finden. Dabei bleibt der Anspruch bestehen, die besondere Atmosphäre des Ortes zu bewahren und seine Würde nicht zu verlieren.
Die Planungen für das Projekt haben sich über mehrere Jahre erstreckt und wurden immer wieder angepasst und weiterentwickelt. Unterstützt wird die Umgestaltung unter anderem durch das Bonifatiuswerk. Ziel ist es, einen Ort zu schaffen, der die Geschichte des Gebäudes respektiert und zugleich offen für zukünftige Nutzungen ist.
Wenn alles nach Plan verläuft, soll die neue Familienkirche Ende August feierlich eröffnet werden. Dann wird aus der Baustelle ein lebendiger Ort, der Menschen zusammenbringt – zum Glauben, zum Austausch und zum Entdecken.
Juliane Körber
Bistum Erfurt